Im Ersten Weltkrieg kam der Wohnungsbau fast zum Erliegen, so daß sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt erheblich verschärfte. Dazu kam, daß Familien in Armenhäusern untergebracht werden mußten, da sich viele Vermieter weigerten, Familien in leerstehende Wohnräume aufzunehmen.

Um die Wohnungsnot zu beseitigen, befaßte sich in Braunschweig die Landesversammlung im Sommer 1917 mit diesem Problem und setzte eine Parlamentskommission ein. Hierzu wurde auch August Wesemeier, der Vorstandsmitglied der Braunschweiger Baugenossenschaft und Vorsitzender des Gewerkschaftskartells war, eingeladen, da die Regierung ohne Hinzuziehung von Arbeitervertretern Entscheidungen nicht mehr treffen wollte. Ende März 1918 verabschiedete dann die Landesversammlung ein Siedlungs- und Heimstättengesetz. Es sah die Förderung von Heimstätten und die Schaffung von bäuerlichen Kleinsiedlungen vor. Das Kleinhaus mit Garten und höchstens 2 Wohnungen - in der Stadt Braunschweig bis zu 6 Wohnungen - war der wünschenswerte Siedlungstyp.

Zur Verwirklichung dieser Pläne waren folgende Maßnahmen vorgesehen:
Gründung einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft, Übernahme staatlicher Bürgschaften für Hypotheken, Ausdehnung der Beleihungsgrenze des Herzoglichen Leihhauses und die Schaffung einer besonderen Rechtsform der Heimstätte. Konkrete Maßnahmen wurden in der Kriegszeit nicht mehr unternommen, und erst 1919 wurde die Braunschweigische Siedlungsgesellschaft gegründet.

Die Reichswohnungszählung im Jahre 1927 ergab z. B., daß 591000 oder 6,4 sämtlicher Haushalte zwar eine eigene Hauswirtschaft führten, aber mit einer anderen Haushaltung eine gemeinsame Wohnung bewohnten.

Hierbei ist es interessant festzustellen, daß der Anteil dieser "zweiten und weiteren Haushaltungen" an der Gesamtzahl der Haushaltungen mit Zunahme der Gemeindegröße anstieg. Diese Ergebnisse der Reichswohnungszählung bestätigten, daß die Wohnungsnot und der Wohnungsbedarf in den Städten am größten und dringlichsten waren. Den Fehlbestand an Wohnungen schätzte man im Jahre 1925 auf annähernd 1 Million Wohnungen.