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Braunschweiger Zeitung Donnerstag, 24.07.2003 Ein Kämpfer hinter den Kulissen Hans-Dieter Knisse sorgt seit mehr als 30 Jahren dafür, dass es den Boxclub 72 immer noch gibt Von Sandra Wirsching
Geboxt und im Ring gestanden hat Hans-Dieter Knisse nie. Doch im Kämpfen kennt sich der Braunschweiger trotzdem aus. Seit mehr als 30 Jahren zieht der 58-Jährige im Boxclub 72 die organisatorischen Fäden und sorgt dafür, dass es den Verein immer noch gibt. Ein Kämpfer hinter den Kulissen. Einer, der sich so schnell nicht entmutigen lässt. "Früher gab es mal drei Boxvereine in der Stadt, heute gibt es nur noch uns", erzählt Knisse stolz. Durststrecken gab es viele, doch er, der Kämpfer, hat nie aufgegeben. Hat weiter Wettkämpfe organisiert, für Nachwuchs gesorgt. "Es blieb uns doch nichts anderes übrig", sagt er. Und: "Braunschweig braucht doch wenigstens noch einen Boxverein. Das ist jede Anstrengung wert." Seit 1969 ist er im Verein nicht mehr wegzudenken. Damals machte er die Verantwortlichen auf sich aufmerksam, als er einen Bus voller Schlachtenbummler zu einem Kampf gegen Bad Wildungen organisierte. "In kürzester Zeit hatte ich den voll und schon war ich als Sportwart dabei", erinnert sich Knisse, der mit Boxen eigentlich gar nicht viel am Hut hatte, sondern selbst Fußball und Handball spielte. Aber sein bester Freund war aktiver Kämpfer – "Über ihn bin ich dann zum Training gekommen. Das hielt mich fit, auch ohne im Ring zu stehen." Dass er auf seine Weise tatsächlich fit war, bewies er vor allem Mitte der 80er Jahre, als es ziemlich schlecht für das Boxen in Braunschweig aussah: Kaum Zuschauer. Kaum Nachwuchs. Kaum Geld. Doch Knisse, seit 1983 erster Vorsitzender, machte weiter, mit Unterstützung seiner Frau Ursula, die von Anfang an als Schriftführerin dabei war, holte Freunde und Bekannte dazu, organisierte den Verein wie eine kleine Familie. Sein Durchhaltevermögen ist auch heute gefragt. Zwar hat sich das öffentliche Image des Boxens dank Maske, Klitschko und Co erheblich verbessert. Zwar geht es dem Boxverein leistungsmäßig besser denn je – den Aufstieg in die erste Bundesliga hat die Kampfgemeinschaft Braunschweig/Wolfenbüttel geschafft. Und dennoch hängt die Zukunft der Braunschweiger am seidenen Faden. "Wir können uns die 80 000 Euro, die die erste Bundesliga kosten würde, nicht leisten und müssen sehen, wie es weiter geht", sagt Knisse, der viele Klinken putzte und trotzdem keine finanziellen Unterstützer fand. Ein traurige Erfahrung für einen Sportbegeisterten wie ihn: "Es ist schade, dass es in Braunschweig keine Box-Lobby gibt und die einstige Hochburg untergeht." Ans Aufgeben denkt Knisse trotzdem nicht. Der Sportbetrieb wird aufrecht erhalten, ganz klar. Und überhaupt. Ein Leben ohne Boxverein kann er sich gar nicht vorstellen: "Wenn man es das ganze Leben nur so kennt, kann man nicht sagen, wie es ist, wenn es nicht mehr ist." |